Jahrzehnte später schrieb Ruth in einer Familienbibel, die von ihren Nachkommen aufbewahrt wurde, ein paar bewegende Zeilen über ihre Kindheit und das Fotoshooting: Ihr Vater hatte darauf bestanden, dass sie alle anwesend und deutlich sichtbar sein sollten, denn „dieses Bild würde länger bestehen als ihre Stimmen“.
Als eine anonyme Familie zum Symbol wurde:
Dank Sarahs Arbeit und der Aussage einer Nachfahrin von Ruth tritt das Foto endlich aus der Anonymität hervor. Es wird zum Herzstück der Ausstellung „Die Familie Washington: Überleben, Wiederaufbau, Weitergabe“, einem wahren kollektiven afroamerikanischen Gedächtnis.
Dieses Porträt aus dem Jahr 1872 zeigt nicht mehr nur eine Familie in ihrer schönsten Kleidung. Es ist der Beweis dafür, dass Männer, Frauen und Kinder nach der Sklaverei das Recht einforderten, als vollwertige, würdevolle und trotz ihrer Narben aufrecht stehende Familie wahrgenommen zu werden.
Ruths Hand, gezeichnet, aber deutlich sichtbar, scheint denen, die sie heute betrachten, zu sagen: „Wir haben gelitten, ja. Aber wir haben auch gelebt, geliebt und uns eine Zukunft aufgebaut. Seht uns nicht nur als Opfer, sondern als Überlebende.“
Und vielleicht liegt darin die schönste Kraft eines einfachen alten Fotos: einen verdrängten Schmerz in eine Botschaft des Mutes zu verwandeln, die Generationen überdauert.






