Silvester in Frankfurt: eine Anthologie des Grauens

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„Aber das geht doch nicht“: Notaufnahme in Sachsenhausen nach 100 Jahren geschlossen
Krankenhaus Sachsenhausen, , Schulstraße 31. schließt Geburtsklinik, kooperiert mit Heilig Geistu000d
Justiz
Landgericht lässt AWO-Hauptprozess zu – Angeklagte sollen 2,6 Millionen Euro zu viel abgerechnet haben
ARCHIV – 09.03.2020, Hessen, Frankfurt/Main: Der Hauptsitz der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der Henschelstraße im Osten der Stadt. Gegen frühere Verantwortliche des Verbands gibt es Betrugs- und Untreuevorwürfe. Die juristische Aufarbeitung der Affäre dauert an. (zu dpa: „Juristische Aufarbeitung des Awo-Skandals dauert“) Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
In der Münchener Straße
Frankfurter Bahnhofsviertel verliert beliebten Latin-Club – Umzug nach Kolumbien
Besuch beim Maier-Gustls-Museum im Latinclub Chango an der Münchner Straße 57. Das Chango schließt zum Jahresende.23.12.2025copyright boeckheler 2025
Entsorgungsmöglichkeiten
Weihnachtsbaumsammlung in Frankfurt: Alle Termine für 2026 auf einen Blick
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Und auch die heute noch beliebte Zeil-Randale ist laut dieser Quelle keineswegs eine originäre Erfindung der Talahons: „Für die Herren war es allerdings von jeher keine ganz ungefährliche Promenade, denn ihre Zylinder waren in dieser Nacht ,vogelfrei‘. Allen Trägern steifer Hüte wurde von übermütigen Burschen ,der Kroppe eingetriwwe‘ (zu Hochdeutsch: der Hut eingeschlagen), und die Opfer durften sich noch nicht einmal darob beschweren. Frankfurter Metzger aber entwickelten den Ehrgeiz, heilen Huts davonzukommen. In furchterregender Kolonne, gesichert durch grobschlächtige Gesellen als Vortrupp und Flankenschutz, marschierten sie über die Zeil und provozierten dadurch nur andere radaulustige Kerle erst recht zum Angriff. Im Laufe der Zeit artete die einst so harmlose Gratulationscour schließlich zu einer solchen Randale aus, dass sich die Polizei alljährlich in der Neujahrsnacht zu einer gewaltsamen Räumung der Zeil veranlasst sah.“

Frankfurter Silvesternächte gebären selten etwas Gutes, nicht einmal in der Literatur. Zu Silvester 1758 verfasste zu Frankfurt der damals noch kindsköpfige Goethe sein erstes Gedicht „An die Großeltern Textor“. Es ist lausig. Der spätere Dickdichter schreibt an die „Erhabne Groß-Mama! Des Jahres erster Tag / Erweckt in meiner Brust ein zärtliches Empfinden, / Und heißt mich ebenfalls Sie jetzo anzubinden / Mit Versen, die vielleicht kein Kenner lesen mag.“ Wohl wahr. „Ein Neues Jahr erscheint“, bastelt der Dreikäsehoch dem erhabnen Großpapa ein Gedicht, „so schlecht es aber ist, so gut ist es gemeint.“ So geht’s natürlich nicht!

Auch wenn auf den Frankfurter Silvesternächten kein Segen ruhen mag, so muss es dennoch nicht unbedingt immer zum Schlimmsten kommen. Glaubt man der Stadtchronik, so war etwa der Jahreswechsel zwischen den eingangs erwähnten Horror-Silvestern eine Oase der Ruhe. Am Neujahrstag 1932 wird dort „der ruhigste Silvester seit Jahren“ vermeldet – in der Tat ist der Silvester maskulin, der namensgebende Papst war es ja gleichfalls. „Statt in Gaststätten wird zu Hause gefeiert. Feuerwehr und Polizei bekommen wenig zu tun. Lediglich im Stadtteil Eschersheim trifft eine verirrte Revolverkugel einen Mann in den Kopf – er überlebt.“ So geht’s doch auch.

Silvesterlyrik für die Ewigkeit
Und ebenso vermag sich der Mensch mitunter aus dem Morast der Schundliteratur in die elysischen Gefilde der Poesie zu erheben. So wie Goethe. Lange nach seinen ersten Gedichtversuchen schmiedete der Grödaz auswärts Silvesterlyrik für die Ewigkeit: „Im neuen Jahre Glück und Heil, Auf Weh und Wunden gute Salbe! Auf groben Klotz ein grober Keil! Auf einen Schelmen anderthalbe!“ So muss Dichtkunst! Da weilte Goethe aber längst in Weimar.