Jahrzehntelang galt tägliches Duschen als Symbol guter Hygiene. Viele Menschen wachsen mit dem Glauben auf, dass tägliches Baden unerlässlich ist, um sauber und gesund zu bleiben. Doch ab 65 Jahren ist diese langjährige Gewohnheit möglicherweise nicht mehr so vorteilhaft, wie wir einst dachten. Tatsächlich kann tägliches Duschen für viele ältere Erwachsene stillschweigend mehr schaden als nutzen
Alternde Haut ist anders
Mit zunehmendem Alter verändert sich unsere Haut auf natürliche Weise. Ab 60 wird sie dünner, trockener und empfindlicher. Die Talgdrüsen produzieren weniger natürliche Feuchtigkeit, und die Schutzbarriere, die Bakterien abwehrt und die Haut mit Feuchtigkeit versorgt, schwächt sich mit der Zeit ab. Tägliches Duschen – insbesondere mit heißem Wasser und herkömmlicher Seife – kann die wenigen verbliebenen natürlichen Hautfette entfernen.
Dies führt häufig zu trockener Haut, Juckreiz, Reizungen und sogar kleinen, leicht zu übersehenden Rissen. Diese winzigen Hautverletzungen können Eintrittspforten für Infektionen bilden, die der Körper älterer Menschen schwerer bekämpfen kann.
Übermäßiges Waschen stört die gesunden Bakterien.
Unsere Haut beherbergt Milliarden nützlicher Bakterien, die uns vor schädlichen Keimen schützen. Tägliches Duschen, insbesondere mit antibakteriellen oder stark parfümierten Seifen, kann dieses Gleichgewicht stören. Werden die gesunden Bakterien zu häufig abgewaschen, wird die Haut anfälliger für Hautausschläge, Pilzinfektionen und Entzündungen.
Ärzte erkennen mittlerweile an, dass übertriebene Sauberkeit die natürlichen Abwehrkräfte der Haut schwächen kann – insbesondere bei älteren Menschen.
Erhöhtes Sturzrisiko und Erschöpfung
Duschen dient nicht nur der Hygiene, sondern ist auch eine körperliche Aktivität. Für ältere Menschen können das Ein- und Aussteigen aus einer rutschigen Dusche, langes Stehen und der Umgang mit heißem Wasser das Risiko von Schwindel, Erschöpfung und Stürzen erhöhen.
Stürze gehören zu den häufigsten Verletzungsursachen bei Senioren. Tägliches Duschen erhöht dieses Risiko unnötigerweise, insbesondere für Menschen mit Gleichgewichtsstörungen, Arthritis, niedrigem Blutdruck oder verminderter Muskelkraft.
Sauber bedeutet nicht tägliches Baden.
Eine wichtige Wahrheit: Um sauber zu bleiben, muss man nicht jeden Tag duschen.
Die meisten Dermatologen und Geriater sind sich einig, dass für Erwachsene über 65 Jahre zwei- bis dreimaliges Duschen pro Woche in der Regel ausreicht – es sei denn, es liegen starkes Schwitzen, Inkontinenz oder eine Erkrankung vor, die häufigeres Waschen erfordert.
An Tagen, an denen man nicht duscht, genügen oft einfache Hygienemaßnahmen:

- Waschen von Gesicht, Händen, Achselhöhlen und Leistengegend
- Regelmäßiges Umziehen
- Gezielte Reinigung mit einem warmen, feuchten Waschlappen
Diese Methode hält den Körper sauber, ohne die Haut zu schädigen






