Ich stahl jeden Tag das Mittagessen meines armen Klassenkameraden, um ihn auszulachen – bis ich die Nachricht las, die seine Mutter darin versteckt hatte, und erkannte, wer wirklich reich war.

Die Pause wurde zu meiner Bühne.

Jeden Tag die gleiche Routine. Ich würde ihm die Tasche aus den Händen reißen, auf eine Bank springen und sie hochhalten.

„Mal sehen, welches Luxusessen der Stipendiat heute mitgebracht hat!“

Gelächter brach aus.
Ich sog es in mich auf.

Evan wehrte sich nie. Er erhob nie die Stimme. Er stand einfach nur da, die Augen feucht, starrte auf den Boden und wartete darauf, dass es vorbei war.

Manchmal war es kalter Reis.
Manchmal eine angeschlagene Banane.

Ich würde es in den Müll werfen, als wäre es kontaminiert.

Dann ging ich direkt in die Cafeteria und kaufte mir, was immer ich wollte – Pizza, Pommes, Burger –, ohne auch nur auf den Preis zu achten.

Ich habe es nie als Grausamkeit bezeichnet.

Für mich war es Unterhaltung.

An dem Dienstag änderte sich alles.

Dieser Dienstag fühlte sich schon vor seinem Beginn anders an.

Der Himmel war grau. Die Luft war scharf und unangenehm. Eine Kälte, die einem unter die Haut ging.

Als ich Evan sah, fiel mir sofort seine Tasche auf.

Kleiner.

Leichter.

Ich grinste.

„Was ist denn heute los?“,  fragte ich.  „Uns geht der Reis aus?“

Zum ersten Mal versuchte er, die Tasche zurückzuziehen.

„Bitte, Logan“,  sagte er mit zitternder Stimme.  „Nicht heute.“

Dieses Zögern löste etwas Unangenehmes in mir aus.

Ich fühlte mich mächtig.

Ich schüttelte die Tasche vor allen kopfüber.

Es fiel kein Essen heraus

Einfach nur ein hartes Stück einfaches Brot.

Und ein gefalteter Zettel.