Schon 1713 drohte die Stadt mit Prügel für Feuerwerker. Auch Schlägereien und Schießereien prägten den Jahreswechsel am Main seit Jahrhunderten.
„Silvesternacht mit viel Spektakel und viel Feuerwerk, aber auch mit zahlreichen Unfällen. Zum Neujahr ist die Stimmung so trübe wie der Himmel. Es ist neblig, nasskalt und regnerisch.“ Was sich wie eine Zusammenfassung der vergangenen Silvesternacht liest, findet sich in der Stadtchronik. Und das trübe Neujahr ist das von 1933. Danach wurde es bekanntlich nicht heiterer.
FOTO TAGESSATZFrankfurt: Jahreswechsel auf der Alten Brücke, Menschen stoßen mit Sekt auf dad neue Jahr an oder knallen mit Böllern und Feuerwerk.Foto aufgenommen am 01.01.2026Foto: Rolf Oeser
Menschenmassen auf der Alten Brücke begrüßen das neue Jahr mit Sekt und Wunderkerzen. © Rolf Oeser
Früher war eben nicht alles besser. Erst recht nicht der Jahreswechsel in Frankfurt. Die Silvesternacht 1932/33 war dabei noch vergleichsweise harmlos. Zwei Jahre zuvor waren in der City, die damals noch Stadt hieß, mehr als hundert Personen bei Schlägereien, Schießereien und Feuerwerk verletzt worden. Es ist also nichts Neues, dass Menschen, die geistig gesund sind und dies auch körperlich bleiben wollen, in der Silvesternacht die Innenstadt meiden. Das war schon immer so.
Die traditionelle Frankfurter Silvesterraserei ist schwer zu erklären. Möglich wäre eine historisch indizierte problematische Triebabfuhr: Als Freie Stadt loste Frankfurt stets am 31. Dezember zwei Ratsmitglieder als neue Bürgermeister für das kommende Jahr aus, die alten aber blieben noch bis Neujahr im Amt. Die Stadt hatte also an Silvester vier Bürgermeister auf einen Streich.
Nicht alle Bürgermeister waren schlecht
Frankfurter zetern vor allem am Ende des Jahres leidenschaftlich wider ihren Bürgermeister oder ihre Bürgermeisterin, und die Frankfurterinnen stehen ihnen da in nichts nach. Welch Leidenschaft konnten da erst vier Stadtoberhäupter entfesseln! Dabei waren nicht alle Bürgermeister schlecht damals. Einer von ihnen tat immerhin 1806 kund, dass die Silvesterböllerei „ein sehr unnützes und geschmackloses Vergnügen“ sei, „womit sich kein Mann von gesetzter Denkungsart abgibt“. Friede seiner Asche!
Als die Preußen dem Vier-Bürgermeister-Kokolores 1866 ein Ende machten, hinterließ das natürlich eine große Lücke in der Frankfurter Wutkultur, die irgendwie gefüllt werden musste, und sei es mit unnützem und geschmacklosem Vergnügen.
Gegen diese Theorie spricht, dass noch früher auch nichts besser war. Unter der Überschrift „Alte Frankfurter Silvesterbräuche“ informiert die städtische Homepage frankfurt.de, dass „im Jahre 1713 sogar damit gedroht wurde, dass widerrechtliche Feuerwerker vom städtischen Militär sofort festgenommen und zur Verabreichung einer Tracht Prügel ins Hospital oder Armenhaus abgeführt würden“. Ein schöner Brauch, der sich leider nie so recht durchgesetzt hat.






